Lyred

Mein Untertitel

Das Schloss auf den Düne
„Unwiederbringlich“ ist wohl das meistunterschätzte Werk Theodor Fontanes obwohl einige Kenner seinen literarischen Wert höher als den von „Effi Briest“ stellen. Wenn man es liest spürt man unwillkürlich: ein Theaterstoff! Man müsste das sehen, auf der Bühne! So kam es zu der vorliegenden Bearbeitung. Dabei wurden fast ausschließlich die Dialoge des Originalwerks verwendet, manchmal aber für die Darbietung auf der Bühne gekürzt.

Es stellt sich sogleich die Frage: wird der fontanesche Text heute sein Theaterpublikum finden? Ich meine ja! Gehen nicht tausende Menschen in die Museen um sich an den Werken der großen Gestalter zu begeistern, den Malern, Bildhauern, Handwerkern, Forschern … ?  Soll ein solches Interesse am Werk eines großen Schriftstellers, aufbereitet für die Bretter, die noch immer die Welt bedeuten, nicht bestehen? Ich meine, dass für diese Art eines „Museumsgangs“ ein sehr dringendes Verlangen besteht. Zu oberflächlich sind da Schnellurteile wie, „angestaubtes Milieu“, „Verklärung der angeblich so guten alten Zeit“, „was sollen Sprache und Figuren von vorgestern?“  usw.  Gerade die altertümliche aber so anhörenswerte Sprache, die so trefflich gezeichneten Menschen, wie sie sich in ihrer Zeit darstellen, das Milieu, das sie im Umgang miteinander zeigen, gerade das ist für den Verständigen allein der Genuss. Es kommt etwas Wichtiges hinzu, das, was ein Kunstwerk der Literatur ausmacht: das Aufzeigen zeitloser Grundmuster menschlichen Lebens und Treibens. So ferne uns das Geschehen des Stoffes zunächst erscheinen mag, wenn wir es metaphorisch verstehen, ist uns alles wohl vertraut. Das ist das Spannende an Fontanes Werk.

Der Inhalt: Ein Familienvater, in formal glücklichen Verhältnissen lebend, muss auf Dienstreise, raus aus der zwar heimeligen aber doch irgendwie langweiligen Enge des Familienlebens, das von der einseitig charakterstarken Ehefrau dominiert wird, hinaus in die „große Welt“. Dabei sorgt die Begegnung mit einer bewusst leichtlebigen Dame für Eheverwicklungen, die letztlich in der Katastrophe enden. Charaktere, die sich über die Jahre auseinanderleben, da sie sich in gegenläufigen Ausprägungen verfangen, wieviel tausendmal geschieht so etwas natürlich auch heute! Ein solcher Stoff, bunt bebildert, amüsant gewürzt, aber auch im Tragischen tief berührend, aus dem Roman buchstäblich ins Rampenlicht gerückt, das könnte großes Theater werden.

HED

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